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Chile & Osterinsel

© Text und Photos: Silke Wolff Schon lange wollte ich das südliche Ende Amerikas besuchen. Bereits 2003 war ursprünglich eine Reise von Nord- nach Südargentinien geplant. Je länger ich mich mit dem Gebiet beschäftigte, desto mehr kam ich zu dem Endschluss, eine Reise durch Chile zu machen. Die Atacama-Wüste und Patagonien sollten unbedingt dabei sein. Und wenn ich schon einmal in Chile bin, dachte ich, bietet sich auch ein Abstecher auf die Osterinsel an. Die Auswahl der entsprechenden Tour war nicht so einfach, wie ich gedacht hatte. 2008 wurde die gebuchte Reise vom Veranstalter abgesagt. Für 2010 hatte ich mir neue Veranstalter und Touren ausgesucht. Im Reisebüro riet man mir davon ab. Es waren Reisebausteine, bei denen die Flüge separat gebucht werden mussten. Evtl. Reiseplanänderungen wegen Verspätungen etc. müssten von mir selbst und vor Ort umgeplant werden.  Da ich kein Spanisch spreche und natürlich auch Urlaub machen möchte, wollte ich lieber das „Rundum sorglos Paket“ eines Veranstalters buchen. Auch 2010 fand die ursprüngliche gebuchte Tour nicht statt. Ich fand aber schnell Ersatz. Vier Wochen vor dem Reisetermin erschütterte ein schweres Erdbeben das Land. Zwei Wochen vorher bebte die Erde noch einmal und wieder stand hinter der Tour ein Fragezeichen. Trotzdem war es am 28.03.2010 so weit.

1. Tag:   Anreise

Gegen Mittag machte ich mich mit dem ICE von Bielefeld auf den Weg zum Flughafen Frankfurt. Ich hatte mein Rail & Fly-Ticket auf die 1. Klasse upgegradet. Mit großem Gepäck machte das die Bahnfahrt einfacher. Pünktlich war ich am Flughafen. Dort herrschte eine sehr rege Betriebsamkeit. Schließlich begannen an diesem Wochenende in fast ganz Deutschland die Osterferien. Aber weder vor dem Check-in-Schalter der LAN Chile noch an der Sicherheitskontrolle musste ich diesmal lange warten. Planmäßig startete Flug LA705 von Frankfurt über Madrid nach Santiago de Chile. Nach 2 ¼ Stunde landeten wir in Madrid zwischen. Alle Passagiere musste die Maschine für 1 ½ Stunden verlassen. Um genau 24:00 Uhr ging es weiter in Richtung Chile. Der Flug nach Santiago dauerte 13 ½ Stunden.

2. Tag:   Santiago de Chile

Um 8:30 Uhr Ortszeit landeten wir in Santiago de Chile. Die Einreise mit Passkontrolle und Gepäck war völlig problemlos. In der Ankunftshalle herrschte etwas durcheinander. Wegen des Erdbebens durften die Reiseleiter und Fahrer nicht direkt in die Halle und mussten in einem Zelt vor dem Gebäude warten. Das war mir leider nicht bekannt. So hatte ich Schwierigkeiten die Reiseleiterin zu finden. Nach einiger Zeit war es mir dann doch gelungen.  Auch ein deutsches Ehepaar wartete bereits auf mich. Mit Ihnen sollte ich die nächsten Tage unterwegs sein. So bestand unsere kleine Reisegruppe nur aus drei Personen. Nach einer Transferzeit von 30 Minuten bezogen wird unsere Zimmer in einem Hotel direkt in der Innenstadt. Das Hotel Fundador ist nur durch die Alameda von der Innenstadt getrennt. Nach einer kurzen Erholungspause starteten wir zu unserer Stadtrundfahrt. Zuerst fuhren wir auf den Cerro San Christobal. Leider war die historische Seilbahn aufgrund des Erdbebens nicht in Betrieb. Von der Aussichtsplattform und von der Statue „Virgen de la Immaculada Concepción“ hatten wir einen großartigen Blick auf die Stadt und die Anden. Santiago de Chile Cerro San Christobal Durch das moderne geschäftstüchtige Santiago fuhren wir zurück in die Innenstadt. Am Präsidentenpalast setzte uns unser Fahrer ab und wir machten uns zu Fuß auf den Weg. Der Palacio de la Moneda geherbergte ursprünglich die Münzanstalt des Landes. Von 1846 bis 1958 residierten hier die Staatspräsidenten. Durch die Bilder von seiner Bombardierung während des Militärputsches am 11. September 1973, bei der Präsident Salvador Allende um Leben kam, erlangte das Gebäude traurigen Weltruhm. La Moneda In unmittelbarer Nähe der Moneda befinden sich zwischen den funktionalen Bürogebäuden schöne Kolonialbauten, u.a. die Intendencia und La Bolsa. Intendencia La Bolsa Langsam machte sich unsere Müdigkeit wieder bemerkbar. Dagegen half ein exprés, auch „Kaffee mit Bein“ genannt, in einem der zahlreichen Cafés in der Fußgängerzone. Der Plaza de Armas ist das historische Zentrum der Stadt. Er wurde 1541 von Pedro de Valdivia angelegt. Heute bevölkern Maler, Schuhputzer, Sänger und Besucher der Straßencafés den lebhaften Platz. An dem Platz befindet sich auch die Kathedrale, das Museo Histórico Nacional und das Rathhaus. Kathedrale Museo  Histórico Nacianal Im Ex Congreso Nacional wurden die Schäden des Erdbebens beseitigt. Genau wie das Museo Histórico Nacional war er deshalb für Besucher nicht zugänglich. Im Restaurant „La Galeon“ am Mercado Central aßen wir zu Mittag, bevor uns unsere Führerin zurück ins Hotel brachte. Ich machte noch eine kleine Fotorunde durch die Stadt. Der lange lange Tag endete früh.

3. Tag:   Atacama-Wüste

Bereits um 6:00 Uhr morgens wurden wir schon wieder abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wir mussten unseren Flug nach Calama erreichen. So früh gab es im Hotel noch kein Frühstück. Deshalb mussten wir uns mit Kaffee, Keksen und Saft begnügen. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und noch Brote und Wasa-Sandwiches. Um 8:15 Uhr startete unser Flug pünktlich. Nach 1 Stunde und 40 Minuten landeten wir in Calama. Unser Führer wartete bereits. So konnten wir uns schnell auf den Weg nach San Pedro de Atacama machen. Während der gut einstündigen Fahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von der bizarren Wüstenlandschaft. Wir bezogen unsere Hütten im Hotel Poblado Kimal unweit der Hauptstraße. Hotel Pablado Kimal Nach einer kurzen Pause machte ich mich auf um den Ort zu erkunden. Ich schlenderte die Hauptstraße hinauf. In der Mittagszeit war nicht viel Betrieb. Typisch für San Pedro sind die Adobe-Häuser und die ungeteerten Gassen. Der Ort hat sich in den letzten Jahren zum Treffpunkt für Globetrotter entwickelt. Natürlich musste auch ein Blick in die berühmte Iglesia de San Pedro sein. Iglesia de San Pedro Inzwischen hatte ich Hunger bekommen. So beschloss ich etwas im „La Estaka“ zu essen. Dieses Restaurant ist absolut empfehlenswert. Auf dem Weg zur Salar de Atacama stoppten wir im einzigen kleinen, künstlich angelegten Wald der Atacama mit seinen Tamanugubäumen. Im Oasendörfchen Toconao ist die Iglesia San Lucas mit ihrem Glockenturm aus 1750 berühmt. In der Tür des Glockenturmes wurde kein Metall verarbeitet. Sie besteht vollständig aus Kakteenholz, gehalten durch Lamaleder. Höhepunkt des Tages war die Salar de Atacama. Der Salzsee ist 5x so groß wie der Bodensee. In dem flachen Wasser fressen Flamingos winzige Krebse. Salar de Atacama Zurück im Hotel lösten wir einen Gutschein für einen Welcome-Drink an der Hotelbar ein. Natürlich entschieden wir uns für den Nationalcocktail „Pisco Sour“.

4. Tag:   Atacama-Wüste

Da die El Tatio-Geysire sich vor Sonnenaufgang am besten präsentieren, starteten wir nach einer weiteren kurzen Nacht um 6:00 Uhr. 1 ½ Stunden dauerte die halsbrecherische Fahrt. Genau im richtigen Licht erreichten wir das Plato auf ca. 4.300 Meter Höhe. Es war bitterkalt, ca. minus 5 °C. Zu dieser frühen Stunde zeigten sich die Geysire von ihrer besten Seite. Gut 100 großen und kleinen Geysiren brodelten und spuckten vor sich hin. Als die Sonne über die Berge stieg, konnten wir uns aufwärmen. Ein paar harte Touristen nahmen ein Bad. Geysire El Tatio Nach zwei Stunden ging es langsam wieder zurück. Im Vado Rio Putana lohnten die Farbenspiele einen ausführlichen Fotostopp. Das Blau des Wassers und das Grün der Pflanzen in der weiten Wüstenlandschaft waren einige Fotos wert. Vado Rio Putana Der kleine Ort Machua steht bei jeder Reisegruppe auf dem Programm. Sehenswert sind die für diese Gegend typischen Adobe-Häuser und die kleine Kirche auf dem Hügel. Machua Um gute Fotos zu machen, wollte ich gern vor allen anderen auf dem Hügel sein. Dabei merkte ich die dünne Höhenluft und war ziemlich außer Atem. Gegen Mittag waren wir zurück im Hotel. Ich hatte bis zum nächsten Programmpunkt noch einige Stunden Zeit. So hielt ich erst einmal Siesta. Ich war schließlich früh aufgestanden. Zum Sonnenuntergang machten wir uns auf Weg in das Valle de la Luna. Vorab stoppten wir aber noch, um einen Blick ins „Tal des Todes“ zu werfen. Die Sonne schien bereits nicht mehr in die Cari-Schlucht, sodass sich die Salzkristalle abkühlten und von allen Seiten ein Knacken zu hören war. Weiter Stopps legen wir am Krater, am Amphitheater und bei den drei Marias ein. Den Sonnenuntergang beobachten wir mit Blick in das Tal des Todes und auf den Vulkan Licancabur. Die Landschaft ist zu dieser Tageszeit wirklich am schönsten. Sonnenuntergang

5. Tag:   Seengebiet

Auch der heutige Tag begann früh und wieder ohne richtiges Frühstück. Mittlerweile sehnte ich mich danach, in Ruhe und ausgiebig an einem Tisch zu frühstücken. Aber heute sollte es noch nicht sein. Wir mussten schließlich unseren Flug von Calama nach Santiago und von dort weiter nach Puerto Montt erreichen. Als wir am Nachmittag im Puerto Montt landeten, regnete es leider. Deshalb besuchten wir zuerst den überdachten Fischmarkt. Es gab dort exotische Meeresfrüchte zu sehen, die es in Deutschland nicht gibt. Bei einigen schien der Genuss allerdings sehr gewöhnungsbedürftig zu sein. Von dem angrenzenden Hügel hatten wir einen schönen Blick auf die Stadt und die Bucht. Puerto Montt ist eine traditionelle Hafen- und Industriestadt. Puerto Montt Während eines kurzen Abstechers ins Zentrum zur Kathedrale und dem Denkmal für deutsche Einwanderer regnete es wieder. Deshalb hielten wir den Aufenthalt kurz. Nach etwa 20 Kilometern auf Panamericana erreichten wir unser eigentliches Tagesziel, Puerto Varas am Lago Llanquihue. Mittlerweile war es später Nachmittag und wir hatten den ganzen Tag noch nichts Richtiges gegessen. So suchten wir mit unserem Reiseleiter ein wunderschönes Lokal im Zentrum von Puerto Varas auf. Dort gab es erst einmal ein großes Filetsteak. Restaurant Gut gestärkt bezogen wir unsere Zimmer mit Seeblick in Hotel Cabañas del Lago. Blick aus dem Fenster

6. Tag:   Seengebiet

Endlich hatten wir heute Zeit, um genussvoll im Hotel zu frühstücken. Anschließend ging es auf unsere Tagestour Richtung Lago Todos los Santos. Die Landschaft gleicht tatsächlich der europäischen Schweiz und der Baustil der Häuser ist von deutschen Einwanderern Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt. Auch die Sprache ist mit deutschen Worten durchzogen. So ist der Ausdruck „Kaffee & Kuchen“ fester Bestandteil. Haus mit Alerse-Baum Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Ferienhäuser und Cabañas. Kurz vor Ensenada sollten wir einen ersten Blick auf den Vulkan Osorno haben. Der Himmel auf der anderen Seeseite war aber vollständig verhangen. Es schien dort zu regnen. Der 2.652 m hohe Vulkan mit seinem perfekten Kegel und schneebedeckten Kappe ist das Wahrzeichen der Region. Zum Höhepunkt eines Aufenthalts im Seengebiet gehört ein klarer Blick ohne Wolken auf den Berg. Ich hatte die Ahnung, dass uns dies verwehrt bleiben würde. Als wir uns die ungewöhnlichen Saltos de Petrohue anschauten, brach die Wolkendecke langsam auf.  Die Saltos sind eine Reihe von Stromschnellen und Wasserfällen, die von hartem Vulkangestein in verschlungene Bahnen gezwungen werden. Saltos de Petrohue Die Wolken lösten sich immer mehr auf, sodass inzwischen manchmal die Spitze des Osornos zu sehen war. Wir freuten uns über unser Glück, noch nicht ahnend, dass es noch viel besser werden sollte. Von Petrohue unternahmen wir eine einstündige Bootstour auf dem Lago Todos los Santos. Vom Boot aus genoss ich das smaragdgrüne Wasser des Sees und die Berglandschaft. Die hintere Bergkette bildet bereits die Grenze zu Argentinien. Es sind nur noch 35 Kilometer bis Argentinien. Lago Todos los Santos Inzwischen war auch der Osorno wolkenlos. Seine mit frischem Schnee bedeckte Spitze glänzte in strahlendem Sonnenschein. Vulkan Osorno Vom See fuhren wir den Osorno hinauf zur Skistation La Burbujas auf ca. 1.800 Meter. Trotz Sonne war es dort oben eisig kalt. Wir machten uns auf einen Spaziergang den Vulkan weiter hinauf. Nach etwa einem Drittel kehrten wir um. Meine Höhenangst machte mir an den steilen Abhang zu schaffen. Auf dem Rückweg nach Puerto Varas stoppten wir noch an der Laguna Verde. Leider hatte es angefangen zu regnen. Zurück in Puerto Varas ließen wir uns von unserem Reiseleiter an einem Restaurant absetzen. Nach dem Essen machten wir uns zu Fuß auf den Rückweg zum Hotel. So sahen wir noch etwas von dem Ort. 

7. Tag:   Patagonien

Heute ging es weiter in den Süden von Chile nach Patagonien. Unser Flug von Puerto Montt nach Punta Arenas startete wie gewohnt pünktlich um 9.15 Uhr. Nach 2 Stunden und 10 Minuten landeten wir in Punta Arenas. Unsere Reiseleiterin empfing uns. Ein Privattransfer brachte uns zur Busstation „Buses Fernandez“. Um 14:30 Uhr wollten wir mit dem Linienbus nach Puerto Natales fahren. Wir hatten also genügend Zeit für eine Mittagspause in einem Bistro. Die etwa 3-stündige Fahrt nach Puerto Natales führte entlang der Magellanstraße und die weite Steppe Patagoniens. Große Estancias lagen abseits der Straße. Estancia Ab Morro Chico änderte sich die Landschaft plötzlich. Es gab wieder mehr Bäume. In Puerto Natales angekommen, hatten wir einen fantastischen Blick auf das große Paine-Massiv. Das lag etwa 150 km nördlich im Torres del Paine Nationalpark. Die gute Sicht war für die Jahreszeit, es war Herbst in Patagonien, nicht selbstverständlich. Puerto Natales Direkt an der Uferpromenade bezogen wir in Hotel Costa Australis unsere Zimmer mit Blick auf den See und die Berge. Das Hotel Costa Australis war vor 2 Jahren abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Die Einrichtung war neu und wunderschön. Bisher war es das beste Hotel auf der Tour. Der Ort selbst ist touristisch geprägt. Zahlreiche Restaurants, Souvenirshops und Outdoor-Outfitter säumen die Straßen.

8. Tag:   Torres del Paine

Zeitig brachen wir zum Nationalpark Torres del Paine auf. Bis zum Parkeingang kamen wir an zahlreichen Schaf- und Rinderfarmen vorbei. In Cerro Castillo machten wir einen Kaffeestopp. Ich genoss lieber die Steppenlandschaft und nutzte die Gelegenheit für Fotos. Cerro Castillo Vom Lago Sarmiento eröffnete sich uns bereits der Blick auf die wolkenfreien Cuernos del Paine und die Torres del Paine. Der klare Blick war nicht selbstverständlich. Das Gebiet ist sehr wolken- und regenreich. Aber wir hatten wieder großes Glück. Außerdem war es fast windstill und etwa 18 bis 20 °C warm. Normal wären maximal 10 °C gewesen. Lago Sarmiento Kurz hinter diesem See ist die offizielle Einfahrt in den Nationalpark. Das Naturschutzgebiet besteht seit 1959. 1978 wurde es von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Das 200.000 Hektar große Gebiet erstreckt sich rund um das Paine-Massiv. Unser nächster Stopp war an der Laguna Amarga, einer Salzlagune. Dort sahen wir auch Anden-Kondore kreisen. Laguna Armaga Ein kurzer Spaziergang führte uns zu den Saltos Chico. Mich erinnerten sie ein wenig an die Niagarafälle. Saltos Chico In der Laguna Larga spiegelte sich das Massiv. Laguna  Larga Nach dem Lago Nordensskjold unternahmen wir einen 30 minütigen Spaziergang zu den Salto Grande. Salto Grande Vor unserer Mittagpause hielten wir noch, um einen Blick auf den Lago Pehoé und das Paine-Massiv zu werden. Dieser Anblick war für mich der schönste und der absolute Höhepunkt des Tages. Panorama Lago Pehoé In dem Campingplatzrestaurant mit Ausblick gab es ein leckeres und frisch zubereitetes Essen. Die letzte Station für heute war der Lago Grey. Über eine Hängebrücke gingen wird zum See. Er führte wenig Wasser. Deshalb konnten wir auf den Sandbänken spazieren gehen. Riesige Eisstücke vom Grey-Gletscher schwammen auf dem Wasser. Sie strahlten in einem intensiven Blau, wie ich es noch nie gesehen hatte. Absolut beindruckend. Pueblo Serrano Anschließend ging es in unser Hotel Rio Serrano im gleichnamigen Pueblo. Auch dieses Hotel gehörte zu den Besten unserer Reise. Bei einem Pisco Sour ließen wir den ereignisreichen Tag in der Hotelbar ausklingen.

9. Tag:   Grey-Gletscher

Ein ruhiger und entspannender Tag lag vor uns. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Blick auf das Bergmassiv machten wir einen ausgedehnten Spaziergang entlang des Rio Serrano bis zum Zusammenfluss mit dem Rio Grey. Gegen Mittag fuhren wir zur Hosteria Lago Grey. Dort gab es ein frühes Mittagessen. Um 14:00 Uhr startete unsere Bootstour zum Grey- Gletscher. Zuerst mussten wir mit einem Schlauchboot zu dem eigentlichen Boot übersetzen. Danach dauerte es eine Stunde, bis wir an der Abbruchkante angekommen waren. Das Eis ragt bis zu 40 m hoch aus dem See und ist über 1.000 Jahre alt. Die Eisfläche erstreckt sich auf einer Länge von 27 km und einer Breite von 4 km. Sie stößt mit dem Perito Moreno-Gletscher in Argentinien zusammen. Grey-Gletscher Kurz vor Ankunft an der Abbruchkante gab es einen Pisco Sour mit Gletschereis. Die Crew hatte es kurz vorher aus dem See geholt. Eine Stunde kreuzten wir vor den drei Gletscherarmen. Das Eis der einzelnen Arme war zu meinem Erstaunen sehr unterschiedlich. Individuell schiebt es sich in den See, mal in einzelnen Stücken mit tiefen Spalten, mal als große glatte Fläche. Trotz des verhangenen Himmels leuchtete es auch heute in intensiven blauen Schattierungen. Ich war total fasziniert. So nah bin ich noch nie an einen so riesigen Gletscher gewesen, selbst in Alaska nicht.   Grey-Gletscher   Nach einer weiteren Stunde kam ich glücklich und fasziniert am Strand des Lago Grey an. Von dort ging es direkt nach Puerto Natales. Ich musste mich heute Abend von meinen beiden Reisegefährten verabschieden. Sie blieben noch einen Tag länger in Patagonien.

10. Tag:   Punta Arenas

Um 9:00 Uhr nahmen unsere Reiseleiterin und ich den Linienbus von Puerto Natales nach Punta Arenas. Mein Sitzplatz war dieses Mal äußerst unbequem und eng. Draußen war es grau in grau. Die Scheiben waren zusätzlich beschlagen. Ich beschloss deshalb, zwischendurch die Augen zu schließen. Nach gut 2 Stunden Fahrt stiegen wir auf freier Strecke aus. Ein Fahrer wartete bereits auf uns. Während der Hochsaison steht ein Besuch in einer Pinguinkolonie auf dem Programm. Die Tiere waren aber bereits aufgebrochen. Als Ersatz fuhren wir auf eine Estancia, wo es Nandus, Strauße, Emus, Schafe und Pinguine zu sehen gab. Ein einsamer und trauriger Königspinguin wurde dort in einem Gehege gehalten. Am Liebsten hätte ich ihn in der Magellanstraße ausgesetzt. Diesen Programmpunkt war leider überflüssig. Es war Mittag und mein Flug ging erst um 18:00 Uhr. Natürlich wollte ich nicht mehrere Stunden auf dem Flughafen sitzen. Deshalb ließ ich mich für einen kleinen Zusatzbetrag ins Zentrum von Punta Arenas fahren. Punta Arenas ist die südlichste Stadt der Welt. Vom Mirador Cerro la Cruz hatte ich bei klarem Wetter einen tollen Blick über die Stadt und Magellanstraße. Punta Arenas Am Horizont war sogar Feuerland zu erkennen. Das durchaus sehenswerte Zentrum liegt um die Plaza Muñoz Gomero. Besonders sehenswert fand ich den Palacio Sara Braun und der Palacio José Menéndez, in dem sich heute der Club Militar befindet. Palacio Sara Braun Palacio José Menéndez Leider reichte meine Zeit nicht aus, um auch die ethnologische und historische Sammlung im Museo Salesiano und den Cementerio Minicipal zu besuchen. Die marmorne Pracht ist nur noch mit Recoleta in Buenos Aires, Argentinien zu vergleichen. Auf dem Weg zum Flughafen bekam ich einen Eindruck davon. Dafür bummelte ich mit unserer Reiseleiterin noch eine Stunde durch die „Zona Franca“, der Freihandelszone im Hafen. Die ähnelt einem großflächigen Shopping-Center in dem es fast alles zu kaufen gibt, vom Fahrzeug über Elektronik, Kleidung, Spielzeug bis zu Lebensmitteln. Mit einem Zwischenstopp in Puerto Montt flog ich zurück nach Santiago. Dort landete ich spät um 21:45 Uhr.

11. Tag:   Osterinsel

Nach einer weiteren kurzen Nacht und wieder ohne richtiges Frühstück ging es bereits um 6:30 Uhr zurück zum Flughafen. Um 9:00 Uhr startete Flug LA 841 auf die Osterinsel. Die 179 m² große Insel liegt 3.700 Kilometer oder 5 ½ Flugstunden vom Festland entfernt im Pazifischen Ozean. Die Insel, auch Rapa Nui oder Isla de Pascua genannt, erhielt ihren Namen durch seine Entdeckung am Ostermontag 1722 durch den holländischen Seefahrer Kapitän Rogenveen.  Politisch gehört sie zwar zu Chile, geografisch wird sie aber Polynesien zugeordnet. Diese sehr weit abgelegene Insel ist berühmt für ihre Moai, tonnenschwere steinerne Köpfe, von denen einst bis zu 1.000 Stück auf der Insel standen. Die Maoi haben auch mich auf die Insel gezogen. Nach meiner Ankunft am Mittag, es sind zwei Stunden Zeitunterschied zum Festland, streifte ich den Nachmittag durch die Gassen von Hanga Roa. In dem Hauptort leben fast alle 5.000 Bewohner. Unter Palmen und in tropischen Gärten herrscht eine entspannte Atmosphäre in gemächlichem Tempo. Hango Roa Die Kirche ist einen Besuch wert. Direkt nebenan ist der neue Markt der Holz- und Steinschnitzer. Günstiger kauft man allerdings in der Markthalle in der Dorfmitte. Kirche Am kleinen Fischerhafen stehen bereits die ersten Moai. Ich beobachtete meinen ersten Sonnenuntergang auf der Insel. Sonnenuntergang

12. Tag:   Osterinsel

Ich begab mich vormittags auf die Spuren des Vogelmannkultes. Der Kult bestand darin, ein Ei der schwarzen Seeschwalbe zu finden. Häuptlinge sandten Krieger nach Motu Nui, der größten der drei Inseln vor der Küste. Sobald das Ei gefunden war, schwammen die Krieger durch die Brandung zurück. Der Häuptling des Siegers wurde zum „Vogelmann des Jahres“. Mit einer Reiseleiterin und einem weiteren Touristen starteten wir in südliche Richtung. Die Lavagrotte Ana Kai Tongata ist in einer kleinen Bucht versteckt. An der Decke sind noch die Vogelmotive zu erkennen. Ana Kai Tongata An dem Vulkankrater Rano Kau wurde der Kult des Vogelmanns ausgeübt. Der Kraterrand ist steil und bis zu 200 Meter hoch. Panorama Rano Kau Das restaurierte Dorf Orongo liegt auf dem Kratergrat. Auf der einen Seite der Krater, auf der anderen Seite 400 Meter hohe Felswände, die ins Meer abfallen. Von hier sieht man auch die kleinen Felseninseln Motu Kao Kao, Motu Iti und Motu Nui. Felseninseln Orongo umfasst 48 restaurierte Gebäude. Hauptattraktion sind aber die ca. 150 in Stein gemeißelten Vogelmänner am Rande der Klippen. Vogelmänner Gegen Mittag kehrten wir zum Hotel zurück. Ich kaufte mir im Supermarkt eine leckere Fleischpastete und relaxte auf meiner Terrasse im Hotel. Eigentlich hätte ich heute Nachmittag freigehabt, hatte mich aber kurzfristig zu einer optionalen Tour entschlossen. So holte uns unsere Reiseleiterin nach zwei Stunden wieder ab. Von Hango Roa ging es an dem Friedhof und dem Museo Antropológico vorbei zum Ahu Tahai.  Dieser Ort, inklusive der alten bootförmigen Häuser wurde von dem amerikanischen Archäologen William Mulloy restauriert. Die bekannteste Moai steht ebenfalls hier, Ko te Riku, die einzige „Sehende“ der Insel. Ko te Riku ist 4,75 m hoch und wiegt 20 t. Sie steht auf einem 20 x 4 m ahu. Ahu Tahai Weiter ging es an der Ana Te Paku vorbei zum Ahu Akivi. Die sieben gleich großen Moai blicken als Einzige zum Meer. Die Legende erzählt, es handelt sich um sieben Kundschafter, die der König Hotu Matua über das Meer schickte, um nach Rapa Nui Ausschau zu halten. Ahu Akivi ist also ein Ehrenmal. Ahu Akivi Auf dem Rückweg besichtigten wir Puna Pau, den Pukao-Steinbruch. Dies sind die Hüte oder Frisuren der moai. Puna Pau Zurück im Hotel ließ ich mir einen Stempel der Osterinsel in meinen Pass machen. Den gibt es im Postamt kostenlos. Einige Internetcafés und Geschäfte nehmen dafür US $ 1,--. Der heutige Sonnenuntergang sah vielversprechend aus. Ich machte mich deshalb noch einmal auf den ca. 15-minütigen Weg nach Tahai. Zahlreiche Touristen warteten dort schon auf den berühmten Sonnenuntergang. Allerdings sorgten Wolken dafür, dass der Sonnenuntergang nicht so spektakulär war. So ging auch ich zeitig zurück.

13. Tag:   Osterinsel

Ein Ehepaar aus Venezuela, das auf den Rückweg aus der Südsee einen Tag Station auf der Insel macht, ging heute mit uns auf große Inselrundfahrt. Es ging zuerst entlang der Südküste. Auf dem Ahu Vaihu liegen acht riesige Statuen umgestürzt, eine Auswirkung der Stammeskriege in der späten Periode. Vermutlich waren Machtstreitigkeiten oder knapper werdende Ressourcen Grund der massiven Auseinandersetzungen unter den Stämmen. Die moai wurden in diesen Konflikten umgestürzt. Ahu Vaipu Am Ahu Akahanga, nur ein paar Schritte vom Ahu Vaipu, sind die Reste eines Dorfes mit mehreren bootsförmigen Häusern interessant. Der absolute Höhepunkt war sicherlich der Ahu Tongarike in der Hotu-iti-Bucht. Er zählt zu dem beeindruckendsten Bauwerk Polynesiens. Ahu Tongariki 15 moai thronen auf einem 180 m langen Fundament. Der größte moai ist 8,90 m hoch und wiegt 88 t.  Der moai mit dem Pukao wiegt immerhin 60 t. Allein seine Hände messen 2m². Moai 1960 wurde die Anlage durch einen Tsunami zerstört. 1993 begann der Wiederaufbau nach alten Fotos und Dokumenten. Die Arbeiten entschlüsselten große Teile der rätselhaften Vergangenheit von Rapa nui. Bei den ahu handelt es sich um Totenkultstätten der polynesischen Kultur. Der Bau erstreckte sich über einen Zeitraum von 1.000 Jahren. Damit war die Theorie von Thor Heyerdahl und seiner Kon-Tiki-Expedition über eine mögliche Einwanderung der Rapa Nui aus den Inka- Gebieten widerlegt. Hinter den Riesen leuchtet der blaue Pazifik, im Inselinneren erblickt man Rano raraku. Rano raraku Der Vulkan Rano raraku war die moai-Werkstatt. 70 Wächter stehen am Hang des Vulkans bis zu den Schultern im Gras. Sie sind schon von Weitem zu erkennen. Rano raraku Insgesamt befinden sich noch bis zu 400 Statuen bis zu 250 t schwer und über 20 m lang in allen Verarbeitungsstadien in dem Steinbruch. Nach einem warmen Mittagessen, das uns zum Rano raraku geliefert wurde, ging es weiter zum Ahu Te Pito Kura. In der Bucht von Hanga o Honu fanden wir aber einen ovalen, glatt geschliffenen Stein interessanter. Der Basaltkugel werden magische Kräfte nachgesagt und soll der „Nabel der Welt“ sein. Te Pito, „Nabel der Welt“ Einer Legende nach kam sie mit König Hotu Matua und den ersten Siedlern zur Osterinsel. Geologen prüften den überdimensionalen Steinkiesel und sehen ihn als Naturprodukt vulkanischer Aktivitäten. Er wiegt annähernd 1 Tonne und misst zwischen 80 und 100 cm im Durchmesser. Wegen der hohen Dichte erzeugen die eingeschlossenen Eisenmineralkonzentrationen an mehreren Stellen eine Abweichung der Kompassnadel. Unsere eindrucksvolle Inselrundfahrt endet in der romantischen Bucht von Anakena. An dem flachen, hellsandigen Strand waren vor 1.500 Jahren die ersten Siedler unter König Hotu Matua gelandet. Die Königsfamilie residierte in der Bucht und verbot den Inselbewohnern den Zutritt. Die Kokospalmen wurden allerdings erst 1960 gepflanzt. Anakena Als ich nach dem Abendessen zurück im Hotel war und unter die Dusche wollte, fiel auf der gesamten Insel für eine Stunde der Strom aus. Zum Glück hatte ich meine Taschenlampe und noch eine Dose Bier. So konnte ich die Zeit überbrücken.

14. Tag:   Osterinsel – Santiago

Ich frühstückte noch einmal mit meinen Mitreisenden vom Festland, die inzwischen auch auf der Osterinsel angekommen waren. Für mich hieß es aber Abschied nehmen von einer einmaligen Insel und dem polynesischen Lebensgefühl. Nach dem Check-out hatte ich noch etwas Zeit und ging noch einmal zu dem kleinen Fischerhafen von Hanga Roa. Hanga Roa Um 11:30 Uhr landete die Maschine der LAN Chile, die uns zum Festland zurückbrachte. Ich beobachtete die Landung aus dem kleinen Garten des Flughafens. Wo auf der Welt gibt es noch einen so gemütlichen Flughafen. Flughafen Leider scheinen auch auf der Osterinsel diese Zeiten bald vorbei zu sein. Transparente kündigen den Neubau eines modernen Gebäudes an. Pünktlich um 13:00 Uhr brachte mich LA 842 zurück nach Santiago. Dort landeten wir um 19:20 Uhr Ortszeit. Ein letztes Mal übernachtete ich im Hotel Fundador.

15. Tag:   Santiago – Abreise

Eigentlich wollte ich an meinem letzten Tag vor dem Langstreckenflug ausschlafen. Das war aber nicht möglich. An diesem Sonntag fand der Santiago-Marathon statt. Um 7:00 Uhr weckte mich der mega laute Sprecher. Nach einem ausgiebigen Frühstück checkte ich aus und ging noch eine Runde durch die Stadt, vorbei an der Universidad de Chile und dem Club de la Union, Lateinamerikas ältester und vornehmster Herrenclub, zur Plaza de Armas. Universidad de Chile Club de la Union Auf dem Rückweg zum Hotel ging ich noch zur Kolonialkirche San Fransisco. Sie ist nicht nur das Wahrzeichen Santiagos, sondern auch Chiles ältestes Gebäude. Iglesia San Fransisco Ein letztes Mal ging es zum Flughafen. Um 19:45 Uhr startete unser Flug mit einer Stunde Verspätung in Richtung Madrid. Vor dem Abflug machte eine ältere Dame den Flugbegleitern Ärger. Sie wollte sich absolut nicht auf ihren Sitzplatz setzen. Sicherheitspersonal geleitete sie aus der Maschine. Vor mir lagen 12 Stunden 10 Minuten Flug und 10.700 Kilometer bis Madrid.

16. Tag:   Abreise

Nach einer unbequemen, lauten und unruhigen Nacht, in der ich nicht viel Schlaf bekommen hatte, landeten wir um 13:50 Uhr Ortszeit in Madrid zwischen. Alle Passagiere mussten das Flugzeug verlassen. Wir deutschen Passagiere waren alle etwas irritiert. Auf dem Hinflug war der Umstieg doch einfacher gewesen. Ursache war aber, dass alle noch einmal durch die Sicherheitskontrolle nach europäischen Bestimmungen mussten. Auch von Madrid ging es mit einer Stunde Verspätung weiter. Diesmal war der überfüllte Luftraum über Frankfurt schuld. Nach der Landung in Frankfurt um 18:45 Uhr ging alle sehr schnell. Die Einreise war unproblematisch und das Gepäck kam schnell. So bekam ich den letzten ICE nach Bielefeld. Genau um 24:00 Uhr war ich zu Hause. Chile ist ein faszinierendes Reiseland. Wer schon einmal in Chile ist, sollte unbedingt auch einen Abstecher auf die Osterinsel machen. Die alten Kulturen und die polynesische Lebensart sollte man sich nicht entgehen lassen.  Welche Region mir am besten gefallen hat, kann ich nicht sagen. Ich bin von allen gleich beeindruckt und begeistert. zur Chile-Foto-Galerie:
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Silke Wolff
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