© Text und Photos: Silke
Wolff
Bevor die drei Schluchten in
China durch ein ehrgeiziges Staudammprojekt ihr Aussehen
unwiderruflich verändern, wollte ich diese in ihrer
Ursprünglichkeit unbedingt sehen. Und wenn ich schon einmal
in China bin, wollte ich auch die Terrakotter-Armee in Xian
nicht auslassen.
So flog ich am 17.10.2002 mit
der Lufthansa von Hannover über Frankfurt am Main nach
Shanghai. Nach einem ca. 12-stündigen Flug nahm der
Reiseleiter am nächsten Morgen (Ortszeit) die Gruppe am
Flughafen in Empfang.
Entlang der neuen
Transrapid-Strecke fuhren wir in die City zum Hotel. Nach
einer Stunde Pause zum Duschen und Umziehen fuhren wir weiter
in die Altstadt zum Yu-Garten, Huxinting-Teehaus etc.. Es
fing an zu regnen als wir gerade aus dem Bus aussteigen
wollten. Der sollte die nächsten Tage andauern. So lernten
wir Shanghai, den Jadebuddha-Tempel und den Bund nur im
Regen kennen. Die Lichterfahrt durch die Stadt entschädigte
mich aber für das schlechte Wetter. Shanghai ist eine moderne
Wirtschaftsmetropole, die meiner Meinung nach für Touristen
nicht viel bietet, aber abends beleuchtet sehr schön ist.

Shanghai
Von Shanghai unternahmen wir
einen Ausflug in die Ming-Stadt Xitang, klein Venedig auf
chinesisch. In dieser ca. 500 Jahre alten Stadt bekam ich
einen Eindruck von der ursprünglichen chinesischen
Lebensweise. Die Bewohner sind aufgeschlossen und gewähren
(auch ohne Trinkgeld) gern einen Einblick in ihre Wohnungen.
Am 5. Tag folgen wir nach
Wuhan. Die Betriebsamkeit auf einem nationalen chinesischen
Flughafen war ein Erlebnis. Ohne sprachkundige Reiseleiterin
wären wir nie in der richtigen Maschine gekommen.
Vom Flughafen Wuhan fuhren
wir noch einmal gut 200 Kilometer mit dem Bus nach Yichang,
wo unser Yangze-Kreuzfahrtschiff, die "Yangze-Engel" auf uns
wartete. Nach der Buchung habe ich noch gedacht, dass ich
mir mit einem 5-Sterne-Schiff etwas Gutes gegönnt hätte. Bei
ersten Erkundungen des Schiffes musste ich allerdings
feststellen, dass der Standard nach deutschen Maßstäben etwa
3 1/2 Sternen entsprach. Trotzdem fehlte es uns während
unseres Aufenthaltes an Bord an absolut nichts, tagsüber
Vorträge, abends Unterhaltung, Kosmetik- und Massage-Salon,
Souvenir-Stände, Bar und für Notfälle einen Arzt.
Nach dem Abendessen legt die
Yangze-Engel ab, stromaufwärts zu den drei Schluchten.
Nachdem der Gezhouba-Staudamm und die Xiling-Schlucht
passiert waren, besichtigten wir die größte Baustelle der
Welt. Kurz nachdem unser Schiff wieder abgelegt hatte,
merkte ich, dass Zeit und damit Fahrpläne in China sehr
flexibel sind. In dem künstlichen Kanal entlang der
Staumauer war ein Frachtschiff liegengeblieben. So mussten
wir 2 Stunden warten bis die Durchfahrt wieder frei war. Die Fahrt durch die Hexen-Schlucht musste auf den nächsten
Tag verschoben werden.
Um 5:00 Uhr sollte das Schiff weiterfahren. Um diese Zeit
sollte auch Wecken sein, damit alle Passagiere pünktlich zur
Einfahrt in die Schlucht auf dem Vorderdeck sein konnten. Um
5:00 Uhr hörte ich noch keine Motorengeräusche. Also
blieb ich lieber noch im warmen Bett, als im Dunkeln auf dem
kalten Vorderdeck zu frieren. Die Weiterfahrt verzögerte
sich nochmals um 2 Stunden.
Während der Fahrt durch die Hexen-Schlucht klarte der Himmel
auf und nach Tagen war zum ersten Mal die Sonne wieder zu
sehen. Nach dem Frühstück wurden alle Passagiere ausgebootet
um durch die drei kleinen Schluchten zu fahren. Auf dem Boot
verlor ich leider einen belichteten Film. Schade, so waren
auch die Bilder der unwiederbringlichen Landschaft verloren.
Am späten Nachmittag passierten wir die letzte der drei
Schluchten, die Qutang-Schlucht. Eine wunderschöne Fahrt
durch eine einmalige, aber unwiederbringliche Landschaft
ging zu Ende.

Yangze
Unseren letzten Tag an Bord
genossen wir hauptsächlich auf dem Sonnendeck, die
vorbeiziehende Landschaft beobachtend. Zwischendurch
besichtigten wir die alte Holzpagode ShiBaoZhai.
Die Yangze-Engel hatte am
nächsten Morgen ihr Ziel Chonging erreicht. Von dort
machten wir einen kurzen Abstecher nach Dazu um den
Zauberberg zu besichtigen. Mit unserem örtlichen Reiseleiter
hatten wir ein besonderes Erlebnis. Über sein kaum
verständliches Deutsch hätten wir ja noch hinweg gesehen.
Hinzu kam aber, dass seine Auskünfte sehr einsilbig waren. Am
Ende des Tages beschwerte er sich allerdings sehr wortreich
über das mager ausgefallene Trinkgeld der Gruppe.
Am Abend wartet ein weiteres
Abenteuer a la chinesischer Inlandsflug auf die Gruppe. Kein
Abflug, keine Auskunft und unsere Reiseleiterin war auch für
Stunden verschwunden. Mit über 3 Stunden Verspätung flogen
wir dann doch nach Xian ab. Um 0:30 Uhr fielen wir alle müde
in unsere Hotelbetten.
Die Terrakotter-Armee, 6.000
Tonfiguren, war ein weiterer Höhepunkt der Reise. Die
Besichtigung stand für den nächsten Tag auf den Programm.
Ausgegraben ist nur ein Teil der Gesamtanlage. Der
ausgegrabene Teil befindet sich in einer modernen Halle.
Massen von Touristen, Chinesen und Ausländer, werden
durchgeschleust. Trotzdem ist der Anblick dieser Armee
beeindruckend.

Terrakotter-Armee
In Xian besichtigten wir
außerdem die Altstadt mit der Wildgans-Pagode, den Glocken-
und Trommelturm sowie die Große Moschee.
Wie schlecht die Luft in
einer chinesischen Industriestadt ist, davon hatten wir
schon einen Eindruck in Chonging bekommen. Xian am frühen
Morgen, da ist die Luft allerdings zum Schneiden. Gut das
wir nach Peking weiterflogen, diesmal ohne Probleme.
Auf der letzten Station
unserer Reise angekommen, besuchten wir sofort die Verbotene
Stadt. Der Anblick dieser Anlage bei meinem zweiten Besuch
war genauso unbeschreiblich wie beim ersten Mal 1 1/2 Jahre
zuvor.

Verbotene Stadt Peking
Da es in Peking eiskalt war,
so um die 0 Grad, legten wir uns abends erst einmal dicke
Fleece-Jacken zu. So ausgestattet konnten wir die
Temperaturen gut ertragen. Der Himmelstempel, der
Lamatempel, der Sommerpalast, die Ming-Gräber und natürlich
die Große Mauer standen in den letzten zwei Tagen auf dem
Programm. Der abendliche Besuch der Garküchen war nicht mein
Ding. Wer mag auch schon gegrillte Heuschrecken, Schlangen
etc.?
Nach zwei Wochen
China-Rundreise bestieg ich in Peking wieder eine
Lufthansa-Maschine um über Frankfurt am Main zurück nach
Paderborn zu fliegen.