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01.2012 © 2012 Silke Wolff Besucht mich auf Facebook:
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© Text und Photos: Silke Wolff Usbekistan, der junge Staat in Zentralasien ist kaum bekannt. Mich zogen drei Dinge an: 1. Der Mythos der alten Seidenstraße. Die Hauptsehenswürdigkeiten der Seidenstraße liegen in Usbekistan. 2. Die geschichtsträchtigen Bauten des Islams und des Orients 3. Die Sagen und Legenden aus 1001 Nacht.
In meinem Umfeld schwankten die Reaktionen zwischen Unverständnis „Was willst Du denn in Usbekistan?“ und Begeisterung. Manchmal war ich mir selbst nicht ganz sicher, ob es nicht doch ein wenig zu abenteuerlich war, mich auf die Reise einzulassen. Nach einigen Unwegsamkeiten im Vorfeld und sorgsamer Vorbereitung machte ich mich am 20.03.2011 auf den Weg.
1.
Tag: Anreise Taschkent
Vor mir lagen 3.361 Kilometer und 4:05 Stunden. Ich war müde und versuchte zwischen dem Ausfüllen der Zollformulare und dem Essen die Augen zu schließen. Es war schon ein langer Tag und es sollte eine kurze Nacht werden. In der Maschine war es aber so heiß und unruhig, dass mir das kaum möglich war. Nach gefühlten unendlichen Stunden landeten wir um 2:30 Uhr Ortszeit (+3 Stunden). Direkt neben dem Gate stand schon die Mitreisende mit unserem Originalvisum. Das klappte ja gut. Eine Flughafenangestellte versuchte, unsere Touristengruppe an den einreisenden Usbeken vorbei bevorzugt einreisen zu lassen. Das führte zu lauten Protesten und Diskussionen. Überhaupt herrschte etwas Chaos. Nicht allen Reisenden hatten die Zollformulare in doppelter Ausfertigung ausgefüllt. Zum Schluss fehlte das Originalvisum, ohne dass wir nicht wieder ausreisen durften. Unser Reiseleiter rannte deshalb zum Zoll zurück. Währenddessen meldete sich ein Mann aus der Gruppe. Er hatte als Letzter das Original bekommen. Zwei ältere Damen empörten sich auch noch indirekt über die Mitreisende mit dem Originalvisum. Es wurde laut im Bus. Ich dachte nur, das fängt ja gut an. Nach über zwei Stunden fuhren wir ins Hotel Shodlik Palace. Unterwegs verteilt Azamat, unserer Reiseleiter, Umschläge mit dicken Bündeln Sum-Scheine. Für € 50,-- erhalte ich 117.500,-- Sum. Der größte Schein ist der 1.000 Sum-Schein. Da wir an dem muslemischen Neujahrstag ankamen und alle Geschäfte, Banken und Wechselstuben geschlossen waren, machte ich gern davon Gebrauch. Im Hotel angekommen, hatte ich endlich eine Dusche und für ein paar Stunden ein Bett.
2.
Tag: Taschkent – Samarkand
Zusätzlich besuchten wir die Medrese Kukeldash, eine aktive Schule. Auf dem Lehrplan stehen u.a. Russisch und Englisch. Direkt hinter der Medrese liegt der Basar. Wir hatten Freizeit und konnten uns auf eigene Faust alles ansehen. Viele Händlerinnen ließen sich sehr bereitwillig fotografieren und zeigten dabei ihre makellosen Goldzähne. Hier mache ich auch meine erste Erfahrung mit öffentlichen Toiletten, Eintritt 300 Sum, keine Türen, Stehtoiletten. Dafür gab es den Luxus von Seife.
Am Mittag
ging es weiter nach Samarkand. Die Strecke verlief zunächst
durch eine Ebene mit zahlreichen Baumwollfeldern. Die lagen
zurzeit noch brach und werden erst ab Mai bestellt. Die
Sammelstellen der gepflückten Baumwolle standen leer. Nur die
Maschinen wurden dort aufbewahrt. Die meiste Baumwolle wird in
diesem Gebiet immer noch per Hand gepflückt. Das ist
gründlicher.
Wir fuhren
nun durch die bis zu 800 m hohen Ausläufer des Pamirgebirges.
Nach ein paar Kilometern sah ich die bis zu 3.000 m hohen
schneebedeckten Berge schemenhaft am Horizont.
Zum Abendessen gab es Hühnersuppe, Gulasch mit Reis und einen süßen Nachtisch. Danach wollte ich nur noch ins Bett und schlafen, schlafen, schlafen.
3.
Tag: Samarkand
Das Innere ist prunkvoll mit goldenen Ornamenten verziert, oben ist es allerdings nur Pappmasche. In der Grabkammer stehen nur Gedenksteine für die hier beigesetzten, u.a. Tamelan und sein Enkel Ulug’bek. Die eigentliche Grabkammer liegt 6 m tiefer unter der Erde.
Vom Mausoleum holte uns unser Bus ab und wir fuhren direkt zu dem für mich absoluten Höhepunkt der Reise, dem Registan (dem Sandplatz). Ich musste hier nicht wie im Mausoleum für 3.000 Sum eine Fotoerlaubnis kaufen. Die war im Eintrittspreis enthalten. Vor der neuen Terrasse stiegen wir aus unserem Bus aus und hatten einen sehr ergreifenden Blick auf den einst nobelsten Platz der Welt.
Unseren Rundgang begannen wir im Uhrzeigersinn in dem ältesten Gebäude des Ensembles, der Ulug’bek Medrese. Sie ist passend zu den Interessen Ulgu’beks, der Wissenschaft und Astronomie mit Sternen verziert. Die Fassade des Portals und das rechte Minarett sind von zahlreichen Erdbeben verzogen und schief. Im Innenhof befinden sich links in einer Nische Figuren, die Ulug’bek und seine Wissenschaftler darstellen.
Die Tillakori Medrese ist das jüngste Gebäude. Der Innenhof ist viel ansprechender gestaltet. Besonders stark beeindruckt haben mich die Goldverzierungen in der dazugehörigen Moschee. Kombiniert mit Blau kommt das Gold besonders gut zur Geltung. Gekrönt wird die Moschee von einer leuchtenden blauen Kuppel.
Drittes Bauwerk ist die Sherdor Medrese, die „Löwentragende“. Auf dem Portal sind tigerartige Löwen dargestellt, die in sich die Sonne tragen und weiße Antilopen jagen. Wie in fast allen ehemaligen Studentenwohnzellen sind auch hier jetzt Souvenirgeschäfte untergebracht.
Nach
unserem Rundgang hatten wir noch etwas Freizeit. Ich nutzte die
Gelegenheit für Fotos und kaufte in der Ulug’bek Medrese eine
kleine Tonfigur eines edlen Händlers als Erinnerung an
Usbekistan. Handeln war natürlich Pflicht. Die letzten Minuten
genoss ich auf einer Parkbank auf der Terrasse, um den
grandiosen Anblick zu verinnerlichen.
Nach einer Pause fuhren wir am Nachmittag an den Stadtrand zum Ulug’bek Observatorium. Nur ein Teil des Quadranten, dem Hauptinstrument der Sternwarte ist erhalten geblieben und ausgegraben. Das monumentale Gebäude mit 50 m Durchmesser ist völlig zerstört. In dem angeschlossenen Museum gibt es nachgebaute Modelle zu sehen. Erstaunlich auch, wie genau die damalige Sterntafel erstellt wurde. Es gibt nur geringe Abweichungen zu den heutigen Messungen.
Auf dem
Hügel wurden uns überraschend als Aperitif, Wein, Obst und Nüsse
serviert. Eine schöne Idee mit dem Blick auf Samarkand.
4.
Tag: Samarkand
Wir schlenderten über die alte Seidenstraße bis zur Bibi Xanom Moschee. Timur ließ sie erbauen. Er wollte die großartigste Moschee der östlichen Welt. Allerdings wies sie einige Baumängel auf, wohl eine Folge der schnellen Bauweise. Schön ist eine Sage über Timurs Frau Bibi Xanom und den jungen Architekten. Zeitweise wurde die Moschee als Steinbruch missbraucht und war total zerfallen. Azamat zeigt uns ein Foto aus den 1930er Jahren. Die Russen haben zu mindestens die Fassaden teilweise restauriert. Das Innere lässt die einstige Pracht nicht einmal erahnen. Es ist eine einzige Ruine im rohen Zustand. Lediglich die neue blaue Kuppel strahlt über Samarkand.
Direkt
gegenüber der Moschee steht das Mausoleum Bibi Xanom. Es ist
klein, wird aber auch von einer blauen Kuppel erleuchtet.
Die heutige Mittagspause benötigte ich, um die zahlreichen Eindrücke erst einmal zu verarbeiten und alles Revue passieren lassen. So suchte ich mir auf der Dachterrasse unseres Hotels einen schönen Platz auf einem Diwan. Für den Nachmittag stand schließlich noch die Nekropole Shohizinda auf dem Programm. Die Anlage aus dem 15. Jahrhundert besteht aus ca. 15 prachtvollen Mauselen. Ein 200 m langer Pilgerweg führt vom monumentalen Eingangsportal über steile Stufen durch drei Bereiche.
Von innen sind die Mauselen Shudi Mulk Oqa und Shirinbeka Oqa am prachtvollsten ausgestattet. Einige werden von einer typischen blauen Kuppel gekrönt. Ein Mausoleum weicht durch seine achteckige Form ab. Durch ein reich verziertes Tor gelangten wir in den oberen Teil der Anlage. Hier befindet sich das Mausoleum des „lebenden Scheichs“ mit angrenzender Gedenkmoschee. Die Wissenschaftler haben zwar keine Spuren auf eine tatsächliche Bestattung gefunden, wir waren aber im Land der Sagen von 1001 Nacht. Ich war von dem Prunk und den zahlreichen Details der Anlage tief beeindruckt. Rechts und links grenzt ein sowjetisch geprägter Friedhof an.
Nach der Besichtigung stand unmittelbar eine Weinprobe an. Azamat führte uns in ein altes zaristisches Gebäude. In einem großen stuckverzierten Saal war schon alles vorbereitet. 10 verschiedene Getränke standen zur Verkostung bereit. Wir begannen mit einem trocknen Weißwein (=Essigwasser). Der nachfolgende Rotwein war auch nicht besser. Der Messwein und Tokaya waren ebenfalls nicht mein Geschmack. Zum Schluss gab es zwei verschiedene Sorten Cognac und eine Beerengährung, die an Magenbitter erinnerten. Bei Nummer 1+2 habe ich mich noch bemüht, an Nummer 3-7 nur genippt und ab Nummer 8 ganz gepasst. Einige haben tapfer jedes Glas geleert.
5.
Tag: Samarkand – Shaxirsabz – Buchara
Nach 3 Stunden Fahrt mit einigen Fotostopps endete die Tour an den Resten der alten Stadtmauer von Shaxisabz. Von dort gehen wir das kleine Stück bis zu Oq Saray. Timur ließ den einst monumentalen Palast in seiner Geburtsstadt errichten. Heute sind nur die Reste des riesigen Eingangsportals erhalten. Sie sind etwa 38 m hoch. Ursprünglich war das Portal doppelt so hoch. Hinter dem Eingangsportal steht ein überlebensgroßes Timur-Denkmal. Zahlreiche Brautpaare mit Gefolge umrunden das Denkmal und schießen Erinnerungsfotos.
Am Eingangstor des Parks wartete unser Bus auf uns. Da er die Passstraße nicht fahren durfte, musste er die 180 km um das Gebirge herum fahren. Auf dem Gelände einer Moschee befindet sich das Jahongis Mausoleum. Timur hatte es als seine Grabstätte geplant. Am Eingang begrüßte uns ein kleines Mädchen mit: „ 1 € Kosmetik“. Sie verkaufte Kosmetiktaschen. Erst nach klaren Worten unseres Reiseleiters gab sie Ruhe. Letzter Programmpunkt war die Kok-Gumbas-Moschee. Die gut erhaltene Anlage, eine ehemalige Unterkunft für Pilger hatte mir sehr gut gefallen.
Azamat hatte für uns ein Mittagessen bei einer usbekischen Familie organisiert. Es gab Linsensuppe mit Reis, Kartoffeln und Gemüse. Gestärt hatten wir noch 300 km auf der alten Seidenstraße bis Buchara vor uns. Erst gerieten wir in einen kleinen Sandsturm, der Afghane genannt wird, da er aus Süden aus Afghanistan kommt. Kurz nach einem Toilettenstopp in freier Natur fielen dann auch noch vereinzelte Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Eine Seltenheit in dieser Gegend. Nach 4 ½ Stunden bezogen wir unsere schönen Zimmer im Boutique Hotel Sasha & Son. Ich war von dem privaten Hotel mit den landestypisch dekorierten Innenhöfen und Zimmern begeistert.
6.
Tag: Buchara
Es sind nur
ein paar hundert Meter bis zur heiligen Quelle des Hiob. Dem
Wasser wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Wir als Touristen
verzichteten aber lieber auf eine Kostprobe. Azamat erzählte uns
hier einiges über die alte Seidenstraße. Zur Wasserversorgung
der Karawansereien wurde Schmelzwasser aus den Bergen in
Zisternen aufgefangen. Bakterien wurden durch Kalk teilweise
unschädlich gemacht. Etwa in Abständen von 10 bis 20 km lagen
die Karawansereien. Je nach Größe standen hier 30 bis 150 Kamele
zum Wechseln bereit. Eine Karawane bestand aus 200 – 500 Tieren.
Etwa im Verhältnis 1 zu 4 (eine Person, 4 Kamele) zogen die
Karawanen durch das Land.
Nur durch den Registan getrennt steht der gewaltige Ark. Die Auffahrt hinauf durch einen schmalen Gang gelangten wir in den Ark. Gut erhalten bzw. restauriert ist der Thronsaal. Der letzte Emir, der hier Hof hielt, musste 1920 vor den Russen fliehen. Um den Verbleib seines großen Vermögens, Gold und Edelsteine, ranken sich zahlreiche Legenden. Entweder haben es die Russen konfisziert oder der Emir und sein Gefolge haben es auf der Flucht nach Afghanistan im Hindukusch vergraben. Tatsache ist, dass es bis heute verschollen ist.
Kurz vor unserer Mittagspause nahmen wir uns ein paar Minuten für den Goldbasar, dem einzigen Ort der Stadt, an dem Gold öffentlich verkauft werden darf. Allerdings entsprechen die angebotenen Schmuckstücke nicht unserem europäischen Geschmack. Direkt an dem Goldbasar grenzt der Teppichbasar. Hier werden handgeknüpfte Teppiche in allen Größen und den typisch orientalischen Mustern angeboten.
In einer über 600 Jahre alten Teestube kehrten wir ein. Für 9.000,-- Sum wurden verschiedene Sorten Tee und Kaffee „all you can drink“ angeboten. Die Pause hatte gut getan. Gestärkt gingen wir zur Moschee Kolon. Das Freitagsgebet war beendet. So waren wir in der zweitgrößten Moschee Zentralasiens fast ganz allein. Der großflächige Innenhof ist von einer breiten Gebetsgalerie, ähnlich der christlichen Kreuzgänge, umgeben.
Direkt gegenüber steht die Miri Arab Medrese. Sie ist eine aktive Lehranstalt und kann deswegen nicht besichtigt werden. Zwei ältere Männer setzten sich in das Eingangsportal. Einer trug noch einen Turban, einen langen Mantel und Lederstiefel. Es war wahrscheinlich ein Pilger. Bereitwillig lässt er sich fotografieren und hatte dabei genau so viel Spaß wie wir.
Zwischen der Moschee und der Medrese steht das Minarett Kolon. Es ist ebenfalls aus Backsteinen gebaut. An einer Stelle waren große helle Stellen zu erkennen. Es sind die ausgebesserten Einschussstellen russischer Kanonen.
In unmittelbarer Nähe befindet sich der Kuppelbasar der Juweliere. Hier werden die für Buchara typischen kleinen Scheren mit Vogelschnäbeln verkauft. Insgesamt gibt es drei Kuppelbasare, den der Mützenmacher und den der Geldwechsler, direkt am Eingang zur Stadt. Vor dem Betreten der Stadt war nach der langen Reise der Besuch im Hamam Pflicht. Anschließend konnten sie Geld wechseln und ihre Waren verkaufen bzw. neue kaufen. Zurzeit werden in den Basaren Touristengeschäfte eingerichtet.
Nur ein
paar Schritte entfernt stehen die Medresen Ulug’bek und
Abdulasiz Chan. Die Fassade der Medrese Abdulasiz ist gerade
farbenfroh renoviert worden. Das Innere noch nicht. So soll
einst auch der Registan in Samarkand ausgesehen haben. Es gibt
dort noch eine Menge zu tun.
In der Altstadt um Labi Hauz wurde viel abgerissen, neu gebaut und renoviert. Auch die Medresen Kukeldash und Nadir Devon Begi und Chanaka Devon Begi waren eine einzige Baustelle. Nur der orientalische Till Eulenspiegel, Hodscha Nasreddin saß unbeeindruckt auf seinem Esel.
Von dort sind es nur 150 m bis zum Hotel. Nach einer Pause fuhren wir ins Grand Hotel Buchara. Dort erwarteten uns eine farbenprächtige Folkloreshow und ein schlechtes Abendessen.
Zu meiner Freude endete der Tag heute früh.
7.
Tag: Buchara
Unser Bus nahm uns auf und wir fuhren ca. 12 km stadtauswärts. Dabei kamen wir an dem modernen internationalen Flughafen Bucharas vorbei. Ziel war die Nashbandi-Gedenkstätte. Der Gründer des moslemischen Sufi-Ordens wird von Gläubigen verehrt, sein Grab eine Pilgerstätte. Die gesamte Anlage ist sehr weitläufig. Neben dem Innenhof mit der Grabstätte gehören auch eine alte Unterkunft für Pilger, das übliche Wasserbecken und mehrere Nebengebäude sowie ein Friedhof dazu. Am Interessantesten fand ich die Szenen, die sich um den alten Maulbeerbaum abspielten. Die Umrundung des Baumes soll Glück bringen. Natürlich gehörte ein Familien- oder Gruppenfoto dazu. Auch ich war für eine Gruppe Jugendlicher ein beliebtes Fotomotiv. Azamat wollte mir schon ein Schild schreiben: „Foto mit blonder deutscher Frau – 1.000 Sum“. Natürlich rangt sich auch eine Legende um diesen Baum. Es soll sich um den Spazierstock handeln, den Nashbandi auf seiner Pilgerreise nach Mekka benutz hat.
Von dort ging es zum Haus der Familie Feyzullah Khojayev. Die Kaufmannsfamilie ist durch den damals „weltweiten“ Handel mit Persianerfellen sehr reich geworden. Entsprechend prachtvoll sind die Frauengemächer ausgestattet. Nach der Flucht des Emirs war Khojayev Präsident der ersten Republik Usbekistan. Er wurde allerdings 1938 erschossen. Im Salon wurde uns Tee gereicht. Zwei aus unserer Gruppe wurden als reiche Bewohner Bucharas verkleidet. Die Frau natürlich mit Gesichtsschleier. Auf der Straße musste sie grundsätzlich drei Schritte hinter ihrem Mann gehen. Beide versicherten uns, dass es nicht sehr bequeme war.
Wir durften
ausnahmsweise einen Blick in die aktive Frauen-Medrese Bilim
Yurti werfen. Pro Jahr werden hier ca. 60 Mädchen unterrichtet.
Es gibt in Usbekistan nur 2 Mädchen-Medresen. Die Zweite
befindet sich in Taschkent. Da zurzeit unseres Besuches
unterrichtet wurde, durften wir den Innenhof nicht betreten.
Am
Nachmittag konnten wir Buchara auf eigene Faust erkunden und
einkaufen. Auch ich machte mich auf den Weg. Erstaunlicherweise
waren kaum Touristen unterwegs. Deshalb waren wahrscheinlich
auch die Händler besonders anhänglich. Ich entdeckte den Eingang
in die Medrese Ulug’bek durch ein Souvenirgeschäft. Im Inneren
wurde renoviert und ich war dort ganz allein. Einige Türen zu
den Wohnzellen standen offen. So bekam ich eine Vorstellung von
der Größe. Sie waren etwa 2,5 m x 3 m groß. In dieser Enge
wohnten zwei bis drei Studenten.
8.
Tag: durch die Wüste Kyzyl Kum
Der Straßenbelag wurde zwar schlechter, unser Bus kam nur noch mit etwa 40 km/h voran, dafür herrschte reger Verkehr. Es ist die Haupttransportstrecke zwischen Russland, Iran / Afghanistan und nach China. Sogar Lkws mit deutschen Kennzeichen waren hier unterwegs. Bei Gaslin bekam ich zu sehen, wie in Usbekistan Gas fördert. Das Gas wird in eine Pipeline eingespeist, die Gas auch nach Deutschland bringt. In einem anderen Teil der Wüste werden ca. 80 t Gold jährlich geschürft. Trotzdem hat sich die Wüste einen Teil ihres Ursprungs erhalten. Nomaden ziehen mit ihren Herden von Karakulschafen umher. Die Tiere sind sehr genügsam und finden in der Wüste genug Futter. Ihre Lämmer werden allerdings nach nur 3 Tagen geschlachtet. Ihr Fell hat dann noch nicht die schwarze Farbe verloren und ist als Persianer am Wertvollsten. Die Nomaden leben während der Wanderschaft in den traditionellen Jurten.
Die Straße war eine über 300 km lange Baustelle. Aufgrund des dichten Güterverkehrs soll sie zu einer vierspurigen Autobahn mit Betonfahrbahn ausgebaut werden. Die ersten Abschnitte sind bereits fertig. Koreaner bauten mit Spezialmaschinen.
Zur Mittagszeit kehrten wir in ein nicht sehr vertrauenswürdiges Restaurant ein. Zum Glück hatten wir unsere eigenen Lunchpakete aus Buchara dabei. Auf die Nutzung der Toilette verzichtete ich lieber gleich und suchte mir eine Sanddüne. Unseren dritten und letzten Stopp machten wir mit Blick auf den Fluss Amurdarja. Er ist die Lebensader des Gebietes. Entspringen tut er im Pamirgebirge. Ursprünglich mündete er nach ca. 2.750 km in den Aralsee. Heute endete er vorher in einem Stausee. Ich blickte über das breite, noch nicht viel Wasser führende Flussbett bis nach Turkmenistan. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Usbekistan und Turkmenistan. Ein paar Kilometer weiter bogen wir nach Chiwa ab und folgten dem Amurdarja-Kanal. Wir befanden uns nun in der Oase. Baumwolle, deren Anbau sehr wasserintensiv ist, wird angeblich hier zwar nicht mehr angebaut, dafür aber Reis. Ich fragte mich, warum es hier dann noch die Baumwolllagerstätten gab, in denen teilweise noch die Ernte vom letzten Jahr zu sehen war. Nach 10 ½ Stunden und 460 km fuhren wir bei Sonnenuntergang auf Chiwa zu. Die alte Stadtmauer erstrahlte im einmaligen Licht.
Euphorie über die einmalige Kulisse musste aber sehr schnell der Realität weichen. Unser Hotel war eine umgebaute alte Medrese. Eine alte Medrese in ein Hotel umzubauen ist eine gute Idee, die den Touristen ein einmaliges Erlebnis bietet. Im Orient Star Chiwa ist die Idee allerdings sehr mangelhaft ausgeführt worden. Die halbe Medrese war Baustelle, permanent lag Staub in der Luft. Die Wohnzellen/Zimmer kühl und feucht. Schlechte Qualität an allem, besonders der Service an der Rezeption. Mein Koffer wurde durch den noch in Bau befindlichen Teil transportiert und war fast komplett mit Mörtel beschmiert. Nach dem langen Tag durch Wüstenstaub wünschte ich mir sehnlichst eine Dusche. Daraus sollte erst einmal nichts werden. Nach über 10 Minuten war von warmem Wasser in der Dusche keine Spur. Die Handtücher hatten eine ekelige braune Farbe. Ursprünglich müssen sie einmal weiß gewesen sein. Zum Glück hatte ich mein eigenes Handtuch dabei. Die Herren an der Rezeption machten mir die Zusage, dass ich nach dem Abendessen warmes Wasser hätte. Natürlich war das nicht so. Also ging ich wieder zurück zur Rezeption, um mich energisch, auch bei unserem Reiseleiter, zu beschweren. Ich weiß nicht, was unserer Reiseleiter gesagt hat, aber ich hatte, nachdem drei Herren sich der Angelegenheit angenommen hatten, heißes Wasser. Dafür ging die Toilettenspülung nicht mehr. Es war mir mittlerweile egal. Ich wollte ins Bett, das nur 60 cm breit war. Trotzdem schließ ich gut.
9.
Tag: Chiwa
Auf dem Platz vor der alten Zitadelle steht ein Haus im zaristischen Stil. Es wurde von deutschen Mennoniten bewohnt. Sie haben mit deutschen Waren wie Singer Nähmaschinen und Meißner Porzellan gehandelt. Direkt gegenüber stehen verschiedene Backöfen u.a. für Fladenbrot. Durch das große Portal betraten wir Ko’xna Ark.
Zuerst gelangten wir in einen großen Hof, eine Moschee. Die alte Münze befand sich ebenfalls in dem Ark. Alte Druckplatten sind hier ausgestellt. Früher wurde das Geld auf Seidenstoffe gedruckt. Nach einem Tag auf dem Basar war der Wert durch den Staub nicht mehr lesbar. Deshalb wurde es abends gewaschen. Daher soll der Begriff der „Geldwäsche“ stammen. Im Thronsaal ist ein runder Steinpodest, auf dem ursprünglich für Empfänge der Nomaden eine Jurte stand. Sie bildete mit dem Ayvon für den Herrscher eine Ebene. Im Winterthronsaal steht eine Nachbildung des mit Silber überzogenen hölzernen Throns. Das Original steht im Kreml.
In einem etwas unscheinbaren Innenhof ist eine Holzwerkstatt in der die für Chiwa berühmten Koranständer gefertigt werden. Die können entweder auf 4 oder sogar auf 9 verschiedene Arten aufgestellt werden. Die Säulen und Möbel sind von hier bis in die USA und nach Deutschland verkauft worden. In einem Teehaus gönnten wir uns eine Pause. Unsere Besichtigung setzten wir in dem Pahlava Maxmud Mausoleum fort. Pilger besuchen das Grab regelmäßig. In dem Gedenkraum beteten Gläubige. In dem Raum nebenan befindet sich die Grabstätte. Im Sonnenschein bildete die Islam Xo’Ja Medrese und das Minarett ein schönes Ensemble. Der Eingang der Yuma Moschee war unscheinbar. Im Inneren öffnete sich ein Saal mit 212 Holzsäulen. Jede ist anders geschnitzt. Die Moschee wird deshalb auch die Cordoba-Moschee Zentralasiens genannt.
Eine ursprüngliche schmale Gasse, in deren Pflaster noch die Wagenspuren zu sehen sind, führte uns zum Eingang des Toshxauli Palastes. Der Eingang führte auch als Erstes in den Empfangssaal mit der Empore. Von einem Harem hatte ich ehr paradiesische Vorstellungen. In diesem Teil der Welt war er aber sehr trist gewesen. Von einem langen schmucklosen Korridor gingen die Wohnzellen der Haremsdamen ab. Ihre Pflicht war es, den Hauptfrauen den Haushalt zu besorgen. Der wieder geschmückte Gästehof schloss sich an. Am prunkvollsten ist natürlich der Hof des Chans. An einer Seite stehen fünf Ayvons, der etwas höhere für den Chan selbst, die vier anderen für seine vier offiziellen Frauen. Ein paar 100 Meter außerhalb der alten Stadtmauer steht der Sommerpalast des Chans. Er wurde 1912 erbaut. Die Innenausstattung ist im Stil des zaristischen Russlands, mit Kaminen in jedem Zimmer, bemalte Stuckdecken und Kronleuchtern. Zurzeit ist nur dieses Gebäude der Anlage zu besichtigen, das offiziellen Anlässen diente. Der private Teil wurde renoviert und war daher nicht zugänglich. Damit war das offizielle Programm abgeschlossen. Ich ging entlang der alten Stadtmauer zurück zum Hotel. Neben dem Westtor steht die Statur des arabischen Mathematikers Al-Chwarizmi , von dessen Namen sich der Begriff Algorithmus ableitet.
Zurück im Hotel
funktionierte nun endlich meine Toilettenspülung. Dafür gab es
mal wieder kein warmes Wasser. Da ich nicht schwindelfrei bin,
verzichtete ich auf den Aussichtsturm und mache eine verlängerte
Mittagspause. In dieser Zeit versagt meine Toilettenspülung
wieder ihren Dienst. Dank eines Tipps eines Mitreisenden
schaffte ich es sie selbst wieder in Gang zu setzten. Zufrieden
machte ich mich noch auf eine Stadtrunde zum Sonnenuntergang.
10.
Tag: Inlandsflug – modernes Taschkent
Ganz in der Nähe des typischen sozialistischen Gebäudes der nationalen Sicherheit steht der alte Romanow Palast. Er wurde bis 1917 von einem Onkel des letzten Zaren und seiner Familie bewohnt. Heute wird er für Staatsempfänge genutzt. In einem Park umgeben von unterschiedlichen Museen verkaufen Maler und andere Straßenkünstler ihre Werke. Einige Bilder gefallen mir sehr sehr gut. Einige schöne historische Szenen waren darunter. Die Künstler hatten erstaunlicherweise nichts gegen das Abfotografieren ihrer Werke.
Unweit thront Amir Timur auf seinem Pferd. Auf diesem Podest standen schon zahlreiche andere Persönlichkeiten. Einige von uns möchten gern das Opernhaus besichtigen. Wir gingen deshalb einen kleinen Umweg. Die Theaterkultur stammt mehr aus der sowjetischen Zeit. Usbeken gehen lieber auf den Basar. Mit unserem Bus fuhren wir zum Museum für angewandte Kunst. Die Stoffe, Mützen und Keramiken hatten wir während unserer Reise alle schon gesehen. Deshalb bot der Besuch nicht wirklich etwas Neues. Er war eigentlich auch für unseren ersten Tag geplant gewesen. An dem Feiertag war das Museum aber geschlossen gewesen. Ich war müde und brauchte eine Pause. Deshalb verzichtete ich auf die Metrobesichtigung und fuhr mit dem Bus direkt ins Hotel. Unser Abschiedsessen hatten wir im Hotel Usbekistan. Aus dem 17. Stock sahen wir den roten Sonnenuntergang über der Neustadt.
11.
Tag: Abreise Usbekistan ist ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Reiseland. Mit einer organisierten Tour einfach zu bereisen. Die Hotels sind überwiegend gut. Lediglich auf die Auswahl des Essens sollte man stark achten. Trotzdem bleibt man meist nicht von Magen- und Darmproblemen verschont. Entsprechende Medikamente und Hygieneartikel gehören immer griffbereit ins Handgepäck.
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